10.02.2017 20:00

Henger d'm Bredderzung

Kategorie: Grunow Tenor Termine
Anekdoten aus der kölschen Provinz. Lesung in MundArt in der Buchhandlung R2, Siegburg

MundArt-Lesung und -lieder von und mit Dr. Hubert Grunow im R2 der Bernstein-Verlagsbuchhandlung Remmel in der Siegburger Holzgasse.

Wenn man einem Troisdorfer Glauben schenken darf, steht der „Bretterzaun“ unmittelbar zwischen Eitorf und Windeck. Er trennt die Menschen „hinter den Ginstern“ von der Zivilisation, die sich bekanntlich im Köln-Bonn-Düsseldorfer Kulturraum abspielt. In Windeck war man noch nie. Es ist eine terra incognita, die höchstens zu Forschungszwecken bereist wird. Soziologen mit wissenschaftlichem Auftrag recherchieren Leben, Alltag, Verrichtungen, Riten, Neigungen etc. der Menschen im „Hügeltal“, die sich selber stolz von den Sigambern herleiten, deren Hauptstadt ausgerechnet Bielefeld war. Zum Rhein-Sieg-Kreis gehörig, doch lediglich fiskalisch erfasst, fristet das Windecker Ländchen seinen Märchenschlaf. Künstler der Domstadt, die dort ihren –zweiten- Wohnsitz nehmen, berichten von unverfälschter Natur, tiefen Wäldern, wilden Tieren. Von flächendeckender Kuhhaltung und Landwirtschaft, von reichen Fischgründen. Von kleinen Häuschen, in denen die Ureinwohner leben: zurückgezogene Wesen, verwilderte Geister, dünnhäutige Seelen. Von der größten Langwaffendichte des Landes. Von archaischen Gebräuchen. Sie schreiben von dunklen Zeiten des Erzabbaus, absonderlichen Höhlenfunden, in die Luft gegangenen Pulvermühlen, verlassenen Burgruinen und einem Dom, in dem nach dem alten, weihrauchschwangeren Ritus „zubbeliert“ wird. Sicherlich hat die Bahn eine rasche Zugverbindung in das dahinter liegende Siegerland geebnet, das die Ureinwohner verständnislos „Hickeland“ nennen, doch der reine Durchzug hinterlässt im sog. „Ländchen“ keine Spuren. Es wird weiterhin das alte, unverständliche „Platt“ gesprochen, das seine rüden Bilder samt und sonders der bäurischen und eisenverarbeitenden Tätigkeit entnimmt  (Beuert, Schleef-Eder, Schoppenhohn, Mömmes, Heeßlööfer, Fielenpöpper). Das im Kulturraum längst angebrochene Zeitalter der Medien wartet wohl noch lange seiner Zulassungsstunde im Ginsterland entgegen (Kin Netz!)

Seien wir gespannt, welche Einblicke uns Hubert Grunow als Kenner der Region, ihrer Gedankenwelt, der Sprache und ihrer Lieder geben wird. Freuen wir uns auf einen Abend voll löstijer Verzällcher. Hubert Grunow – Doktor der Theologie, Philosoph, Pädagoge und Konzertsänger schreibt seit 11 Jahren Mundartgeschichten und –lieder im Dattefelder Platt. Viele Geschichten sind auf CDs/DVDs festgehalten. „Kurzweilig, geistreich und und vor allem unterhaltsam“, „mit blühender Fantasie und amüsant – nicht nur für Windecker“, „springlebendig, herrlich suffisant“… wird seine Erzähltechnik in der Presse beschrieben. „Der Singsang von der Oberen Sieg (ist) so charmant, so witzig und so vollgepackt mit wohlklingenden Worten.“ „Mit Verzällchen und Weisheiten begleitet der bekannte Tenor aus Rossel seine Hörer durch das Jahr. Und er zeigt, dass Platt längst nicht nur komisch oder derbe sein muss, sondern melancholisch und leise sein kann: "Mem Novemberwönk weht och et Laachen, die Freud vom Summer duur de Düür". (Rhein-Sieg-Rundschau/ Anzeiger)

Hier ein Link zum kreativen Ort des Schaffens der Gebrüder Remmel https://www.bvb-remmel.de/